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Dem Scheitern eine Abfuhr erteilen

Dem Scheitern eine Abfuhr erteilen

Abnehmen, nicht mehr rauchen, Spanisch lernen – die Liste der guten Vorsätze wird von Jahr zu Jahr neu angefertigt, um nur einen Monat später bereits wieder darauf zu pfeifen. Zwei Drittel halten ihre guten Absichten nicht einmal bis Ende Januar durch. Dennoch werden zum Jahreswechsel regelmäßig lebensverändernde Vorhaben gefasst. Ein Blick auf die Geschichte beweist, dass das Scheitern daran nur allzu menschlich ist. Aristoteles hat davon schon vor über 2000 Jahren geschrieben und festgestellt, dass nur 30 Prozent aller Vorhaben eine realistische Chance haben in die Tat umgesetzt zu werden.

Rituelles Bleigießen

Das Problem an der Sache ist, dass sich viele Menschen im Vorhinein keine Gedanken darüber machen, welche Folgen ein Lebenswandel hat und wie sie reagieren wenn Schwierigkeiten bei der Umsetzung auftreten. Für den Berliner Psychoanalytiker Hans-Werner Rückert handelt es sich bei den Neujahrsvorsätzen oftmals um ein „rituelles Bleigießen für die Seele“ und räumt ihnen deshalb nur eine geringe Wahrscheinlichkeit ein durchgehalten zu werden. Die Menschen lieben es allerdings an Stichtagen wie Neujahr oder zu Geburtstagen einen Neuanfang zu wagen. Nach einem Blick auf das alte Jahr fühlen sich viele sogar dazu verpflichtet. Steht man allerdings nicht zu 100 Prozent hinter den Vorsätzen, scheitert man definitiv daran.

Eine ganze Industrie lebt davon, dass Menschen jedes Jahr dasselbe wollen – und nicht schaffen. Am Montag werden die Suchanfragen nach Methoden, um mit dem Rauchen aufzuhören, wieder massiv in die Höhe schnellen. Genauso wird auch der Verkauf von Diät- und Kochbüchern erneut angekurbelt und unzählige Mitgliedschaften im Fitnessstudio werden voller Motivation abgeschlossen. Sobald die ersten Versuche des Lebenswandels allerdings misslingen, geben die meisten Leute schnell wieder auf. Die Siegesserie des inneren Schweinehundes ist beachtlich. 

Dabei können simple Regeln die Umsetzung der Vorsätze wesentlich erleichtern. Es ist beispielsweise besser 100 Dinge um ein Prozent zu ändern als eine Angewohnheit um 100 Prozent. Das Prinzip der kleinen Schritte ist wirksam, doch zu viele Menschen versuchen von null auf hundert zu kommen.

Der Münchner Sozialpsychologe Dieter Frey erklärt, dass die Realisierung der Neujahrsvorsätze ohne Herzblut oder einen gewissen Leidensdruck von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. „Die Vorsätze müssen extrem wichtig für einen sein, sonst gibt man gleich auf“, so Frey.

Konkrete Ziele setzen

Es empfiehlt sich seine Ziele ganz klar zu definieren und auf ein Blatt Papier zu schreiben. Dabei sollte man speziell auf die Gründe für das Erreichenwollen sowie den Zweck und den Nutzen davon eingehen. Je konkreter das Vorhaben ist, umso eher hält man daran fest. Nimmt man sich beispielsweise vor im nächsten Jahr gesünder zu leben, so ist dieses Vorhaben nur schwer greifbar. Man definiert zwar das Endstadium, aber eben nicht wie man dort hinkommt. Ohne diese Information gibt es nichts, woran man sich halten kann.

Des Weiteren ist es besonders wichtig, dass die Vorsätze positiv besetzt sind. Sieht man Sport als reine Quälerei, so wird man dies auch 2018 noch genauso empfinden. Schafft man es allerdings die Quälerei in ein lustvolles Gruppen-Unterfangen zu verwandeln, ist das Gelingen wahrscheinlicher.

In diesem Zusammenhang spielen auch Belohnungen eine bedeutende Rolle. Diese steigern die Motivation und helfen dabei Disziplin zu entwickeln. Öffentliche Bekundungen haben den selben Effekt. Je weniger publik das Vorhaben ist, desto eher wird es still und heimlich im Sand verlaufen. Wenn Sie also wirklich etwas durchziehen wollen, erzählen Sie jedem davon.

Sollte der innere Schweinehund dennoch die Oberhand gewinnen und sich Misserfolg einstellen, ist es wichtig nicht zu hart zu sich selbst zu sein und in Selbsthass zu verfallen. Es ist vollkommen in Ordnung auch mal vom Plan abzukommen. Anerkennung für das bereits Geschaffte bringt einen weiter als sich für eine Verfehlung runterzumachen. Nur so kann der nächste Tag als neue Chance verstanden werden.


In diesem Sinne, Prosit 2018!

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